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Die erfolgreiche Bewerbung für Hochschulabsolventen
Die "Dritte Seite"
Die Verwendung der Dritten Seite ist umstritten. Einige Personalverantwortliche sehen sie nicht gerne, weil sie dem Bewerber erlaubt, seine Vorzüge über die üblichen Konventionen hinaus ausführlich darzustellen, was als unfairer Vorteil gegenüber Mitbewerbern bewertet wird. Andere hingegen sehen in der Dritten Seite die Chance, etwas mehr über den Bewerber zu erfahren.
Eine Dritte Seite ist dann empfehlenswert, wenn sie den Lebenslauf sinnvoll ergänzt. Die Kernaussagen sollten jedoch in der Vita stehen.
Idee
Die Idee für diese Komponente wurde Mitte der 90er-Jahre im "Berliner Büro für Berufsstrategie" Hesse/Schrader entwickelt. Hintergrund ist, dass die Informationen in Anschreiben und Lebenslauf aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen und des Zeitdrucks in den Personalabteilungen zu wenig Beachtung finden. Die "Dritte Seite" dagegen spielt die Rolle eines "Eye-Catchers" und liefert - gut konzipiert - überzeugende Argumente.
Mittlerweile
Die Dritte Seite ist mittlerweile recht weit verbreitet. Und zwar so weit, dass einer der Hauptgründe, die dafür sprechen sollten, gar nicht mehr zieht: Nämlich der, sich auf diese Weise von den Mitbewerbern abzuheben.
Und noch etwas ist zu bedenken: Wer der Dritten Seite zuviel Gewicht beimisst, läuft Gefahr, Anschreiben und Lebenslauf zu sehr abzuspecken. Diese beiden Schriftstücke sind aber die entscheidenden (der Lebenslauf noch mehr als das Anschreiben). Wer die "erste" (Anschreiben) und die "zweite" Seite (Lebenslauf) schon langweilig findet, wird die dritte Seite eventuell gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen.
Form
Wie der Name schon sagt: Die "Dritte Seite" sollte sich auf den Umfang einer Seite beschränken. Sie liegt in der Bewerbungsmappe hinter dem Deckblatt und dem Lebenslauf.
Inhalt
Zweck der "Dritten Seite" ist es, Ihre Persönlichkeit zu unterstreichen. Inhaltlich sollte sie daher zentrale Aussagen in Anschreiben und Lebenslauf aufgreifen und pointieren. Hier können Sie persönliche Eigenschaften, Stärken oder Angaben zu Ihrer Motivation, Ihrem Arbeitsstil oder Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Werdegang formulieren. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Insgesamt sollte die "Dritte Seite" kurz und knackig formuliert sein sowie Optimismus und Tatendrang vermitteln.
Glaubwürdigkeit
Bei aller Kreativität sollten Sie überzogene Stilblüten vermeiden und darauf achten, dass Form und Inhalt zu Ihnen passen. Es geht nicht um eine gute B-Note für Erfindungsreichtum.
Vielmehr stellt die "Dritte Seite" unter Beweis, dass Sie Ihre Bewerbung und Eignung sorgfältig reflektiert haben.
Ziele der Dritten Seite
Klar sollte sein, dass die Dritte Seite ein Zusatz ist. Sie darf Anschreiben und Lebenslauf nichts wegnehmen, kann wichtige Punkte aber verstärken und erläutern. Oder Sie stellen einen Aspekt in den Vordergrund, der eine ganz besondere Seite von Ihnen darstellt. Generell kann eine Dritte Seite
- das Interesse an Ihnen verstärken
- Sympathie wecken
- einen persönlichen Zugang zu Ihnen schaffen
- spezielle Fähigkeiten herausheben
- eine besondere Motivation verdeutlichen
- Ihre Soft Skills, z.B. Teamfähigkeit herauskehren
- eventuelle Mankos ("Lücken" im Lebenslauf usw) näher erläutern
Die verschiedenen Typen einer Dritten Seite
Das Profil
Ein Profil ist eine Übersicht über Ihre Fähigkeiten, Kenntnisbereiche, Soft Skills, Projekte usw. In diesem Fall würden durchaus Inhalte aus dem Lebenslauf aufgegriffen, aber unter anderen Gesichtspunkten dargeboten. Eine solche Übersicht kann tabellarisch angelegt sein, es ist aber auch denkbar, grafisch zu arbeiten und in einem Diagramm die Gewichtung der einzelnen Skills in Ihrem Profil darzustellen.Die Selbstdarstellung
"Was Sie noch über mich wissen sollten" ist ein Satz, mit dem man auf keinen Fall beginnen sollte, weil alle Ratgeber diesen empfehlen. Er kennzeichnet aber sehr gut den Ansatz einer solchen Selbstdarstellung. Inhaltlich kann es um eine besondere Motivationslage oder ein ausgefallenes Hobby gehen, aber auch um die Gründe für einen Studienabbruch usw. Solche zuletzt genannten "erklärenden" Selbstdarstellungen sollten Sie aber nur dann beilegen, wenn klar ist, dass andernfalls Ihre Bewerbung sofort aussortiert würde.Der Essay
"Essay" nennt man eine Form der Dritten Seite, die an Themen anknüpft, die mit der Bewerbung eng verbunden sind, aber ebenfalls in persönlicher Weise. Ein solcher Essay (max. 7 bis 8 Sätze) könnte zum Beispiel die folgende Überschrift tragen: "Faszination Marketing". Dann folgt eine kurze Betrachtung darüber, was Sie am Thema Marketing so überaus interessant finden.Ein solcher Essay zeigt, dass Sie sich mit einem Thema persönlich auseinandergesetzt haben und Sie sich nicht auf eine x-beliebige Stelle bewerben.
Checklist: Wann macht eine dritte Seite Sinn?
Für eine dritte Seite spricht: Es gibt Qualifikationen und Kenntnisse, die für den Job wichtig sind, aber im Lebenslauf nicht ausreichend beschrieben werden können.
Eine technische Ausrichtung erfordert häufig ein zusätzliches Qualifikationsprofil.
Kommt es stark auf persönliche Eigenschaften an, macht ein individuelles Blatt ebenfalls Sinn.
"Dritte Seite" - nicht zu verwechseln mit dem Qualifikationsprofil
Das Qualifikationsprofil geht einen anderen Weg als die Dritte Seite. Obwohl auch als Ergänzung zu Anschreiben und Lebenslauf gefertigt, stellt sie ausschließlich das Fachwissen und die Schlüsselqualifikation mit persönlichen Erfolgen und Verantwortungen thematisch zusammen. Anders als der chronologische Lebenslauf bietet es dem Personalentscheider den Vorteil die Kompetenzen dem jeweiligen Anforderungsprofil der Aufgabenstellung direkt gegenüberzustellen und dabei alle gleichartigen Erfahrungen auch über mehrere Positionen hinweg inhaltlich zusammenzufassen. Es ist daher für jede Bewerbung individuell zu erstellen.

